Still-Grundlagen

Brustmassage beim Stillen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen entspannten Milchfluss

Verena Keller, IBCLC & Stillberaterin
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Brustmassage beim Stillen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen entspannten Milchfluss Brustmassage beim Stillen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen entspannten Milchfluss

Die Brust spannt, der Milcheinschuss schmerzt oder die Milch will beim Stillen und Abpumpen einfach nicht fließen? Dann können gezielte Handgriffe helfen. Eine Brustmassage beim Stillen regt die Ausschüttung von Oxytocin an, löst den Milchspendereflex aus und lockert gestautes Gewebe. Außerdem kann sie den Fettgehalt der Muttermilch beim Entleeren der Brust erhöhen.

 

In dieser Anleitung zeigt Dir unsere Stillberaterin (IBCLC) Schritt für Schritt, wie Du Deinen Milchfluss anregen und bei Milchstau oder praller Brust Erleichterung finden kannst.

 

Wichtig vorab: Jede Massage muss für Dich komplett schmerzfrei sein. Quetsche das Gewebe nie wie einen Schwamm aus, sonst können Blutergüsse oder Verletzungen der feinen Milchgänge entstehen. Eine kurze Anwendung von feuchter Wärme vorab macht die Brust elastischer und verstärkt den Effekt.

 

Inhaltsübersicht

  1. Wann hilft eine Brustmassage?
  2. Die vorbereitende Brustmassage in 4 Schritten
  3. Reverse Pressure Softening bei praller Brust
  4. Tipp: Rückenmassage für den Milchfluss
  5. Häufige Fragen (FAQ)

Wann hilft eine Brustmassage?

Eine Brustmassage kann Dich unterstützen:

  • vor dem Anlegen oder Abpumpen, um den Milchspendereflex auszulösen
  • beim Milcheinschuss, wenn die Brust hart und gespannt ist
  • bei beginnendem Milchstau oder Verhärtungen
  • bei der Handgewinnung von Muttermilch

Die vorbereitende Brustmassage in 4 Schritten

Diese Abfolge eignet sich ideal direkt vor dem Anlegen, Abpumpen oder der Handentleerung. Sie kombiniert flächiges Ausstreichen mit der punktuellen Stimulation nach der Marmet-Methode.

 

Schritt 1: Horizontale Entlastung und Gewebelockerung

Brustmassage Schritt 1: Hände oberhalb und unterhalb der Brust gleiten gegeneinander, grüne Pfeile zeigen die Richtung

So geht’s: Lege eine Hand flach oberhalb und die andere flach unterhalb der Brust an. Bewege die Hände sanft, aber mit stetigem, flächigem Druck gegeneinander. Die obere Hand gleitet Richtung Brustbein, die untere nach außen (oder umgekehrt, wie die Pfeile zeigen).

 

  • Das passiert im Gewebe: Die Gewebeschichten verschieben sich gegeneinander. Das lockert das Drüsengewebe, regt die Durchblutung an und löst erste Spannungen.

 

Schritt 2: Vertikale Ausstreichbewegung zur Entspannung

Brustmassage Schritt 2: Beide Hände umfassen die Brust seitlich und streichen gegenläufig auf und ab, grüne Pfeile

So geht’s: Umfasse die Brust seitlich mit beiden Händen, sodass die Handflächen sie einrahmen. Bewege die Hände gegenläufig auf und ab. Eine Hand gleitet sanft nach oben, die andere nach unten.

  • Das passiert im Gewebe: Die Bewegung erreicht die vertikal verlaufenden Strukturen und verzweigten Milchgänge. Sie entspannt die gesamte Brust gleichmäßig.

Schritt 3: Sternförmiges Ausstreichen zum Brustwarzenhof

Brustmassage Schritt 3: Sternförmiges Ausstreichen vom Brustansatz Richtung Brustwarzenhof, grüne Pfeile zeigen die Richtung

So geht’s: Lege die Hände weit außen am Brustansatz an, nahe Achselhöhle und Brustbein. Streiche mit sanftem, flächigem Druck sternförmig in Richtung Brustwarzenhof (Areola).

  • Das passiert im Gewebe: Dieser Griff stimuliert Nervenbahnen, die dem Gehirn das Signal zur Oxytocinausschüttung geben. So wird der Milchspendereflex vorbereitet und die Milch sanft Richtung Sammelreservoire hinter dem Warzenhof transportiert.

Schritt 4: Kreisende Punkt-Massage nach der Marmet-Methode

Brustmassage Schritt 4: Kreisende Punkt-Massage mit den Fingerspitzen nach der Marmet-Methode, grüner Pfeil


So geht’s: Setze zwei bis vier Fingerspitzen fest an einer Stelle ganz außen am Brustansatz an. Beschreibe kleine kreisende Bewegungen mit sanftem Druck. Die Finger rutschen dabei nicht über die Haut, sondern bewegen das Gewebe darunter. Nach einigen Sekunden wanderst Du ein Stück weiter, spiralförmig um die gesamte Brust herum bis zur Areola.

 

  • Das passiert im Gewebe: Die punktuelle Massage löst kleinere, tief sitzende Blockaden in den Drüsenläppchen. Sie hilft, Verhärtungen beim Milcheinschuss oder einen beginnenden Milchstau schmerzfrei zu lockern.

Reverse Pressure Softening (RPS): Hilfe bei praller Brust

Reverse Pressure Softening (RPS): Fingerspitzen setzen Druck rund um die Brustwarze an einer nackten Brust

Beim Milcheinschuss oder nach Infusionen unter der Geburt lagert sich häufig Gewebeflüssigkeit (ein Ödem) direkt unter dem Brustwarzenhof ein. Die Areola wird dann so prall und hart, dass Dein Baby die Brust nicht mehr gut fassen kann und abrutscht. Hier hilft die RPS-Methode nach Jean Cotterman, ein gezielter Gegendruck.

 

So geht’s: Setze die Fingerspitzen (oder die Seiten der Daumen) rund um die Basis der Brustwarze an.

  • Die Bewegung: Übe stetigen, sanften Druck nach innen Richtung Brustkorb aus. Halte den Druck unbeweglich für ein bis drei Minuten.
  • Das passiert im Gewebe: Die gestaute Flüssigkeit wird vorübergehend nach hinten verlagert. Der Bereich um die Brustwarze wird weich und formbar, der Milchspendereflex wird ausgelöst und Dein Baby kann die Brust wieder tief erfassen.

Mein Experten-Tipp: Rückenmassage für den Milchfluss

Rückenmassage mit Fäusten rechts und links der Wirbelsäule bei einer vorgebeugt sitzenden Frau mit freiem Oberkörper

Ist der Milchfluss blockiert oder Du gestresst, kann Dein Partner helfen. Setze Dich bequem hin und beuge Dich leicht nach vorn, sodass die Brüste frei hängen. Dein Partner streicht nun mit den Knöcheln (Fäusten) und festem Druck rechts und links der Wirbelsäule abwärts. Das entspannt die Muskulatur und stimuliert die Reflexbahnen im Rückenmark. Oxytocin wird ausgeschüttet und die Milch kann wieder fließen.

 

Fazit: Jede Brust und jedes Baby sind anders. Probiere die Griffe in Ruhe aus und finde heraus, was Dir guttut. Wenn Du Dich dabei wohlfühlst und es nicht zieht oder schmerzt, machst Du alles richtig. Und falls der Milchfluss trotzdem stockt oder Du unsicher bist, melde Dich jederzeit bei Deiner Hebamme oder Stillberaterin. Du schaffst das, und Du bist nicht allein!

 

Alles Liebe und eine entspannte Stillzeit.

Verena Keller, Stillberaterin IBCLC, lächelnd im Porträt
Deine Verena - IBCLC Stillberaterin

Häufig gestellte Fragen

Wann sollte ich eine Brustmassage machen?

Am besten direkt vor dem Stillen oder Abpumpen, um den Milchspendereflex auszulösen. Bei Milchstau oder prallen Brüsten kannst Du sie auch zwischendurch anwenden.


Wie lange sollte eine Brustmassage dauern?

Meist reichen wenige Minuten. Die Massage soll immer angenehm und schmerzfrei sein.




Hilft Brustmassage bei Milchstau?

Sanftes Ausstreichen und die Marmet-Methode können Verhärtungen lockern. Bei Fieber, Rötung oder starken Schmerzen wende Dich bitte an Deine Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin bzw. Deinen Arzt.




Was ist Reverse Pressure Softening?

Eine sanfte Gegendruck-Technik, die die Areola bei praller Brust weicher macht, damit das Baby besser anlegen kann.


Eine sanfte Gegendruck-Technik, die die Areola bei praller Brust weicher macht, damit das Baby besser anlegen kann.

Ja. Massiere vor und während des Abpumpens, das kann den Milchfluss und die
Milchmenge unterstützen.

 

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