Clusterfeeding: Warum Dein Baby stundenlang stillen möchte

Verena Keller (Stillberaterin, IBCLC)
0 Kommentare
Lesezeit: 4 Min.
Clusterfeeding: Warum Dein Baby stundenlang stillen möchte Clusterfeeding: Warum Dein Baby stundenlang stillen möchte

Viele Eltern erleben es in den ersten Wochen nach der Geburt: Das Baby möchte über Stunden hinweg immer wieder an die Brust. Kaum scheint eine Stillmahlzeit beendet, meldet es sich erneut. Dabei entstehen häufig Fragen und Unsicherheiten:

  • Ist es normal, mehrere Stunden ununterbrochen zu stillen?
  • Wie lange dauert diese Phase an?
  • Mache ich beim Stillen etwas falsch?

Diese Situation kann extrem fordernd sein – vor allem, wenn Müdigkeit und Schlafmangel dazukommen. Die gute Nachricht für Dich: Dieses Verhalten ist meist völlig normal und hat einen festen Namen: Clusterfeeding.

Was ist Clusterfeeding genau?

Clusterfeeding beschreibt Phasen, in denen Babys sehr häufig und in kurzen Abständen gestillt werden möchten. Statt klar abgegrenzter Mahlzeiten trinken sie mehrfach hintereinander, oft über mehrere Stunden hinweg.

Clusterfeeding tritt besonders häufig auf:

  • In den ersten Lebenswochen.
  • Gehäuft in den Abendstunden.
  • Während wichtiger Entwicklungs- oder Wachstumsschübe.

Für Dich als Elternteil fühlt sich diese Zeit oft intensiv an – für Dein Baby ist sie jedoch ein essenzieller Bestandteil der Anpassung an das Leben außerhalb des Mutterleibs.

„Ich stille seit Stunden – ist das normal?“

Ja. Auch wenn es erschöpfend ist: Mehrstündiges, häufiges Stillen ist ein natürliches Verhalten.

Beim Clusterfeeding trinkt das Baby nicht ununterbrochen durch, sondern in vielen kurzen Sequenzen. Diese Häufung hilft Deinem Baby, Nähe zu finden, sich selbst zu regulieren und seine Bedürfnisse zu stillen. Wichtig zu wissen: Dieses Verhalten bedeutet in den seltensten Fällen, dass Dein Baby nicht satt wird oder Deine Milch nicht ausreicht.

Warum clustern Babys? Die Ursachen im Überblick

Babys clustern aus instinktiven Gründen – und keiner davon ist „falsch“ oder problematisch. Clusterfeeding erfüllt wichtige Funktionen:

  1. Sicherheit & Nähe: Es vermittelt dem Neugeborenen Geborgenheit.
  2. Reizverarbeitung: Es hilft dem Baby, die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.
  3. Körperliche Regulation: Es unterstützt die Stabilisierung von Atmung, Herzschlag und Emotionen.
  4. Milchbildung: Es kurbelt die Produktion für den steigenden Bedarf an.

Diese Phasen haben eine zentrale Funktion für die Stillbeziehung haben. Jedes Saugen setzt die Hormone Prolaktin und Oxytocin frei. Diese fördern den Milchfluss und die langfristige Milchproduktion.

Tipp aus der Forschung: Erkenntnisse zeigen, dass durch das häufige Entleeren der Brust der Fettgehalt der Muttermilch ansteigen kann – ein wichtiger Faktor für die Gewichtszunahme und Verdauung Deines Babys.

Dauer: Wie lange dauert eine Clusterfeeding-Phase?

Clusterfeeding ist zeitlich begrenzt, auch wenn es sich im Moment endlos anfühlt. Die Dauer ist individuell verschieden:

  • Oft hält die Phase einige Tage an.
  • Manchmal dauert sie ein bis zwei Wochen.
  • Sie kehrt gelegentlich während Entwicklungsschüben zurück.

Wichtig: Diese Phase geht vorüber!

„Mache ich etwas falsch?“ – Die Sorge entkräften

Diese Sorge hören wir häufig, doch die Antwort ist ein klares Nein. Häufiges Stillen ist:

  • Kein Zeichen für zu wenig Milch.
  • Kein Hinweis auf falsches Anlegen.
  • Kein Beweis dafür, dass Dein Baby unzufrieden ist.

Im Gegenteil: Stillen nach Bedarf unterstützt Dein Baby genau dort, wo es in seiner Entwicklung gerade steht.

Praktische Tipps: Was Eltern während des Clusterfeedings hilft

1. Einen gemütlichen Stillplatz schaffen

Ein bequemer Rückzugsort kann Dich enorm entlasten:

  • Wähle eine aufrechte oder entspannt zurückgelehnte Position.
  • Nutze Stillkissen zur Unterstützung Deiner Arme und des Rückens.
  • Halte ausreichend Wasser und kleine Snacks in Griffweite bereit.

2. Unterstützung aktiv annehmen

Stillen ist Arbeit. Du darfst und solltest Hilfe annehmen – sei es beim Kochen, im Haushalt oder bei der allgemeinen Versorgung. Partner, Familie oder Freunde können hier wertvolle Entlastung bieten.

3. Eigene Bedürfnisse ernst nehmen

Nach mehreren Stillrunden kannst Du Dein Baby kurz abgeben, um zur Toilette zu gehen, frische Luft zu schnappen oder einen Moment für Dich zu haben. Diese kurzen Pausen helfen Dir, Kraft zu sammeln.

Fazit: Vertrauen in den gemeinsamen Weg

Babys clustern nicht, um ihre Eltern zu fordern. Sie folgen ihren Grundbedürfnissen nach Nähe, Nahrung und Regulation. Ihr seid noch am Anfang Eures Weges als Familie. Es wird immer ruhigere und wieder anstrengendere Phasen geben. Mit Zeit, Unterstützung und Vertrauen werdet Ihr gemeinsam in diese Rolle hineinwachsen.

Die Experten-Empfehlung für Dich

Die Stillberaterin Clara Steinbrück beschreibt in ihrem Buch „Stillstart – Selbstbewusst stillen von Anfang an“, dass diese Phasen eine zentrale Funktion für die Stillbeziehung haben. Jedes Saugen setzt die Hormone Prolaktin und Oxytocin frei, die den Milchfluss und die langfristige Milchproduktion fördern.

Mein Tipp: Wenn Du noch tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, findest Du den wertvollen Ratgeber von Clara Steinbrück ab sofort bei uns im Shop, um Dich in Deiner Stillzeit optimal zu begleiten.


Einen Kommentar hinterlassen

Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung moderiert.

Kennst du schon die Ardo Milchpumpen?

Entdecke jetzt die Milchpumpen, die tausende Mamas bereits verwenden um ihren Stillalltag zu erleichtern.