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Die häufigsten Stillprobleme

Fast jede Mutter kann Ihr Kind stillen. Unsicherheit, falsche Informationen oder Angst führen jedoch manchmal dazu, dass "frisch gebackene" Mütter ihre Stillfähigkeit in Frage stellen. Viele Mütter realisieren in der Schwangerschaft nicht, dass Stillen unmittelbar nach der Geburt beginnt und auch erst einmal erlernt werden muss. 

Mit diesem Abschnitt möchten wir Dir Mut machen und Dir helfen, mögliche Schwierigkeiten zu bewältigen. Zögere nicht, bei Stillproblemen oder Stillunsicherheiten Hilfe bei einer Fachperson einzuholen. In vielen Krankenhäusern arbeiten speziell ausgebildete Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC, die Dir auch nach Deiner Entlassung gerne weiterhelfen.

Zu wenig Milch


Viele Mütter befürchten unnötigerweise, zu wenig Milch für ihr Baby zu bilden. Anzeichen für eine genügende Milchbildung sind unter anderem die Gewichtszunahme des Babys, seine Ausscheidung und sein Saugverhalten.

Die Gewichtszunahme pro Woche beträgt:

  • 0 bis 2 Monate: ca. 170 bis 330 Gramm
  • 2 bis 4 Monate: ca. 110 bis 220 Gramm

Das Geburtsgewicht ist innerhalb von 10 Tagen nach der Geburt wieder erreicht.

In den ersten 4 bis 6 Wochen hat das Baby alle 24 Stunden mindestens drei Windeln mit Stuhl, danach kann es bei gestillten Babys Pausen von mehreren Tagen geben. Ausserdem sollte das Baby alle 24 Stunden 5 bis 6 nasse Windeln haben und sein Urin hell sein.

Beim Stillen hat das Baby die Brustwarze mit viel Warzenhof im Mund. Wenn der Milchfluss einsetzt, verlangsamt sich der Saugrhythmus und die Schluckgeräusche sind deutlich hörbar. Nach dem Stillen ist der Mund des Babys feucht und die Brüste fühlen sich weicher an.

Es ist absolut normal, dass sich Deine Brüste nach einigen Wochen auch zwischen den Stillmahlzeiten nicht mehr voll anfühlen. Dies hat keinen Zusammenhang mit der produzierten Milchmenge, da die Milch in dem Moment gebildet wird, in dem das Baby saugt.

Es kann durchaus sein, dass Deine Milchmenge für einige Tage knapp wird, z. B. wenn Du übermüdet bist oder Dein Kind einen Wachstumsschub macht.

Milchmenge steigern


Die Milchbildung kann mit folgenden Massnahmen gefördert werden:

  • Häufigeres Anlegen (alle zwei Stunden mit einer längeren Pause nachts)
  • Häufiger Seitenwechsel (Ping-Pong-Stillen)
  • Ausgedehnter Hautkontakt
  • Genügend Ruhe
  • Entlastung im Haushalt
  • Eine ausgewogene Ernährung 
  • Unterstützende Massnahmen, wie sie in Deiner Kultur üblich sind

Zusätzlich kannst Du die Milchmenge steigern, indem Du die Milchbildung durch gelegentliches Abpumpen (ca. 5 Minuten) nach dem Stillen stimulierst. Dabei spielt es keine Rolle, wie viel Muttermilch sich nach dem Abpumpen in der Flasche befindet.

Nimmt Dein Baby nicht genügend an Gewicht zu, kontaktiere möglichst bald eine Fachfrau in Stillfragen, um die Stillsituation zu prüfen.

Milchstau und Brustentzündung

Während der gesamten Stillzeit, vor allem aber in den ersten Wochen zu Hause, kann es vorkommen, dass Deine Brüste nach dem Stillen verhärtet sind und schmerzen. Du fühlst Dich, als hättest Du eine Grippe (Müdigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen). Diese Symptome deuten auf einen Milchstau hin.

Bei Milchstau empfehlen wir Dir, möglichst schnell zu handeln und folgende Massnahmen durchzuführen:

  1. Lege vor dem Stillen für ca. 10 Minuten eine feuchtwarme Kompresse auf, damit die Milch besser fliesst.
  2. Lege Dein Kind so an, dass sein Kinn in die Richtung der Verhärtung zeigt.
  3. Massiere die verhärteten Stellen sanft während des Stillens.
  4. Ist die Brust nach dem Stillen noch verhärtet, pumpe die Brust mit einer sanften Milchpumpe ab (z. B. Ardo Carum) und massiere gleichzeitig die verhärteten Stellen.
  5. Nach dem Stillen / Abpumpen kühle Deine Brust ca. 20 Minuten mit einer Kältekompresse, z. B. mit dem Ardo Temperature Pack
  6. Gönne Dir genügend Ruhe. Lege Dich am besten mit Deinem Baby ins Bett. Trinke viel.

Lassen die Symptome innerhalb weniger Stunden nicht nach oder tritt Fieber auf, kontaktieren einen Arzt, eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC oder eine Hebamme, da die Gefahr einer Brustentzündung besteht. Entgegen früheren Meinungen muss bei einer Brustentzündung oder bei der Einnahme von Antibiotika nicht abgestillt werden.

Wunde Brustwarzen

Empfindliche Brustwarzen in den ersten 3 bis 4 Tagen nach der Geburt sind normal. Dauern die Beschwerden jedoch länger an oder schmerzen die Brustwarzen und sind wund, rissig, verkrustet oder bluten, ist das meistens auf ein nicht korrektes Anlegen zurückzuführen. So z. B. wenn das Baby nur die Brustwarze und zu wenig Warzenhof im Mund hat, das Baby den Mund nicht weit genug öffnet, die Lippen eingezogen sind, die Mutter sich beim Anlegen nach vorne beugt usw.

Selten sind Saugprobleme, Soor (eine Pilzinfektion, die sich durch weisse Flecken im Mund des Babys bemerkbar macht) oder ein kurzes Zungenbändchen die Ursache von wunden Brustwarzen.

Wunde Brustwarzen verursachen einen intensiven Schmerz. Lasse Dich deshalb möglichst rasch von einer Spezialistin auf dem Gebiet des Stillens beraten.

Folgende Massnahmen können helfen:

  • Ursache analysieren und beheben, z. B. korrektes Anlegen.
  • Baby zuerst an die Brust anlegen, die weniger schmerzhaft ist.
  • Häufiges und kürzeres Anlegen ist schonender, als lange Pausen zu machen.
  • Unterschiedliche Stillpositionen wählen.
  • Lanolinsalbe verwenden, z. B. Ardo Care Lanolin. Lanolin fördert die Selbstheilung. 
  • Eine Stillpause machen und abpumpen. Das "Sensitive Programme" der Ardo Carum wurde für das Abpumpen bei wunden Brustwarzen entwickelt. Es startet mit kaum spürbarem Einstiegsvakuum und niedrigem Einstiegszyklus, die ganz behutsam den Empfindungen der Mutter angepasst werden können.
Das schwache, schläfrige Baby

Manche Babys sind zu schwach, um wirkungsvoll zu trinken und schlafen während des Stillens ein. Wichtig ist dann, dass diese Babys mit geringem Energieaufwand viel Muttermilch erhalten. Dafür kann es nützlich sein, beim Stillen gleichzeitig die andere Brust abzupumpen, damit die Milch besser fliesst. Alternativ lege das Baby in Bauchstilllage mit viel Hautkontakt an. Oft hilft es, dem Baby etwas abgepumpte Muttermilch mit einer Spritze in den Mundwinkel zu träufeln, um es zum Saugen zu animieren.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Baby zum aktiven Saugen anzuregen. Dabei kannst Du wie folgt vorgehen:

  • Baby in Seitenhaltung anlegen. Rücken gut unterstützen. Darauf achten, dass die Fusssohlen des Babys eine Unterlage berühren können und ihm die Möglichkeit geben mit den Händen zu greifen, z. B. Ihren Finger. 
  • Brust während der ganzen Stillmahlzeit unterstützen. 
  • Zu Beginn und sobald die Schluckgeräusche seltener werden, eine Brustkompression ausführen. Dazu wird die Brust weit hinten am Ansatz gehalten und mit Zeigefinger und Daumen sanft und schmerzfrei zusammengedrückt, damit mehr Milch fliesst.
Das saugverwirrte Baby

Das Saugen an der Brust unterscheidet sich grundlegend vom Saugen an einem künstlichen Sauger, was bei einigen Babys zu einer Verwirrung ihres Saugverhaltens führt. Diese Babys können nach dem Saugen an einem künstlichen Flaschensauger oder Schnuller nicht mehr oder nicht mehr wirkungsvoll an der Brust saugen. 

Je jünger das Baby ist, umso grösser ist das Risiko, dass es sein Saugverhalten nicht mehr umstellen kann. Deshalb wird in vielen Krankenhäusern auf unnötiges Zufüttern mit der Flasche verzichtet und bei Bedarf oft als Alternative ein spezieller Babybecher, z. B. der Easy Cup verwendet. 

Wird der Schnuller zum Hinauszögern der Stillmahlzeiten eingesetzt, befriedigt das Baby sein Saugbedürfnis am Beruhigungsschnuller. Dadurch saugt es weniger an der Brust und es besteht die Gefahr, dass es zu wenig Milch erhält. Dieses Vorgehen wirkt sich negativ auf die Angebot-Nachfrage-Regulation aus. Darum ist es sinnvoll, mindestens in den ersten 4 bis 6 Wochen, in denen die Milchbildung aufgebaut wird, auf einen Schnuller zu verzichten.